GAZ: »Haus der Begegnung« Freienseen nimmt weitere Hürde

 

Laubach (tb). Das »Haus der Begegnung« in Freienseen – die GAZ berichtete mehrfach über das Projekt mit Namen

»DorfSchmiede« – hat eine weitere Hürde genommen: Laubachs Stadtparlament hat nach längerer Diskussion den Beitritt zur gemeinnützigen Trägergesellschaft beschlossen.

Der Beitritt war Voraussetzung für die unabdingbare Landesförderung (erwartet werden 1,4 Mio. Euro, bei einem Investitionsvolumen von 2,2, Mio. Euro). Die Stadt gewährt zudem den von den Initiatoren um Dr. Ulf Häbel gewünschten Gesellschafteranteil von 7500 Euro – in einer Rate und sofort.

Der Beschluss fiel am Ende einstimmig aus. Dabei hatte es im Vorfeld längere kontroverse Diskussionen gegeben. Nicht was die inhaltliche Konzeption der »DorfSchmiede«, sozusagen Fixpunkt der »Nachbarschaftsfamilie«, angeht, die ward von allen Seiten als »Leuchtturmprojekt« ausdrücklich gelobt. Nein, auch hier ging es um die Finanzierbarkeit: Setzte die Stadt mit der Ausgabe der 7500 Euro in ihrer Finanzlage, kurz vor Beitritt zum »Rettungsschirm«, das richtige Signal? Was wenn andere Ortsteile ähnliche Projekte anstoßen? Änderungsanträge von CDU und SPD, die auf einen geringeren Gesellschafteranteil abzielten, verfehlten aber die Mehrheit.

Am Ende stand der einstimmige Beschluss des Ur-Antrags aus der Feder des Magistrats.

FW-Sprecher Dr. Ulf Häbel – er ist Initiator, Vereinsvorsitzender und künftiger Geschäftsführer der GmbH – hatte eingangs das Konzept der »DorfSchmiede« (ein passender Name für ein Haus der Begegnun g, die Red. ) skizziert. Der frühere Dorfpfarrer verwies auf die zunehmende Überalterung dieses Landes, in dem bereits über 25 Prozent über 60 Jahre alt seien.

»Fast alle wollen daheim sterben«

Selbst auf dem Land gingen die tradierten Familienbande verloren, in seinem Heimatort lebten von den 218 Alten bereits über 30 allein, gebe es nur ein Haus mit vier Generationen unter einem Dach. »Fast alle wollen daheim sterben, immer weniger Menschen aber ist das möglich.«

Den Alten zu helfen, möglichst lange, auch allein, in der vertrauten Umgebung zu bleiben, am Leben teilzuhaben, aber auch daheim zu sterben – das ist die Idee. Dafür wurde der Förderverein »Vogelsberger Generationennetzwerk /Nachbarschaftsfamilie e.V.« gegründet, der mit der »DorfSchmiede« jetzt sein größtes Projekt angeht.

Wie berichtet, ist die ev. Gemeinde Freienseen im Boot, hat unterdessen die beiden (leerstehenden) Wohnhäuser samt Scheune in der Ortsmitte gekauft. Der Umbau zum Haus der Begegnung mit einem Raum für Tagespflege, Demenzbetreuung, betreutes Wohnen, Dorfladen und einem Treffpunkt wird mit 2,2 Mio. Euro (Investitionsvolumen) veranschlagt. Träger wäre eine gemeinnützige GmbH, die die Räume an Dienstleister vermietet. Häbel, der nicht an der Abstimmung teilnahm (Interessenkonflikt), bat die Kollegen, dem Beitritt der Stadt zur Gesellschaft samt Einlage von 7500 Euro zuzustimmen.

Projektentwickler Dennis Pucher, der die Machbarkeitsstudie erstellt hat, betonte die Bedeutung der Vorlage: Zum einen knüpfe das Land seine Förderzusage an den Beitritt der Stadt zur GmbH (1,4 Mio. Euro hat laut Pucher Wiesbaden bereits zugesagt, die Landeszuschüsse machen rund 95 Prozent der Gesamtförderung aus). Zum anderen brauche man liquides Startkapital, müsse nun mal Rechnungen bezahlen. Die Einlage von 80 000 Euro der ev. Gemeinde sei eben Sachkapital (Immobilien). Dass die 7500 Euro nicht verloren gingen, als Stammkapital Bestand hätten, nach der Investition in das Gebäude die Stadt gar einen »Gewinn« erziele, bat Pucher ebenso zu bedenken. Und: »Die Zeit drängt, im Juni oder Juli müssen wir den Förderantrag einreichen.«

Anwalt Dr. Henrik Lehfeld (Gießen) hat den Gesellschaftsvertrag verfasst. Er unterstrich das geringe Risiko der Stadt: »Es gibt keine Nachschussverpflichtung«, versicherte er voraus. Was die Höhe des Anteils angeht, bestätigte er Dr. Mike Rinker (CDU) darin, dass – abgesehen von den operativen Zwängen (Barmittel) – rein rechtlich auch 1875 Euro reichten.

Vor dem Stadtparlament beantragte Rinker nun, der Magistrat möge mit der GmbH über einen geringeren Betrag sprechen, der sich zwischen der Mindestsumme von 1875 und den 7500 Euro bewege. Ob der Finanzlage der Stadt und eventueller Nachfolgeprojekte in anderen Stadtteilen (»da heißt es schon mal: ›Immer die in Freienseen»«) müsse man auch hier auf Sparsamkeit achten. Anders die Grünen: Ein Vermögensverzehr sei hier nicht zu erwarten, es gehe doch darum, dringend benötigte Fördermittel zu mobilisieren, reklamierte Michael Köhler. »Jeder will sich das Leuchtturmprojekt auf die Fahne schreiben, aber ohne etwas dafür zu geben.«

»Laufender Betrieb wirtschaftlich?«

Dass ein Aufstückeln keinen Sinn habe, in Zeiten der Doppik die volle Summe bilanziert werde, da jederzeit von derGmbH komplett abzufordern, erklärte Artur Niesner (FW). Nachdem Gabriele Schäfer-Klaus (SPD) eingeworfen hatte, dass bei Fragen der Wirtschaftlichkeit der laufende Betrieb nicht außen vor bleiben sollte, beantragte deren Fraktionschef Hartmut Roeschen die definitive Absenkung der Einlage, und zwar auf 2000 Euro. Er erinnerte an die Auflagen, die sich aus dem »Rettungsschirm«-Beitritt, aus der Etatgenehmigung 2012 (»keine neuen vertraglichen Bindungen eingehen«) ergäben. »Da 7500 Euro zu gewähren, wäre ein falsches Signal.« Anderseits sei man für das Projekt, weswegen man die Stadtwaldstiftung bitten sollte, die restlichen 5500 Euro zu übernehmen.

Den Vorbildcharakter des Vorhabens stellte Eberhard Roeschen (FDP) heraus, doch war auch er für den CDU-Vorschlag. Der ward bei Stimmengleichheit abgelehnt, der SPD-Antrag dagegen klar. Blieb nur der Urantrag, der am Ende sogar einstimmig, bei vier Enthaltungen der SPD, beschlossen wurde. Die Initiatoren der »DorfSchmiede« dürften so langsam also, um im Bild zu bleiben, das Feuer schüren.

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